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Wir kämpfen für ein soziales Europa

Teilnehmerinnen der 7. Sommerakademie der KAB veranschaulichen die sozialen Probleme in Europa

Unter dem Titel „Soziales Europa vor dem Aus? Strategien gegen Arbeitslosigkeit und Armut" fand in der Zeit vom 15. bis 21. Juni 2014 im Bildungshaus Lichtenburg in Südtirol ein Seminar mit 35 Teilnehmerinnen aus vier europäischen Ländern statt. Das Seminar wurde in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für Arbeitnehmerfragen (EZA) durchgeführt und finanziell unterstützt von der Europäischen Union.

Die Arbeitslosigkeit in Europa und ihre Folgen standen im Focus des Seminars. Knapp 27 Millionen Menschen sind derzeit ohne Erwerbsarbeit. Besonders betroffen sind immer mehr junge Menschen, besonders in den Ländern des Südens.

Zunächst einmal wurden deshalb die Situation junger Menschen auf dem europäischen Arbeitsmarkt, aktuelle Entwicklungen der Arbeitsgesellschaft sowie Ursachen und soziale Folgen der europäischen Arbeitsmarktkrise betrachtet. Die unterschiedliche Situation in den Ländern der Europäischen Union wurde von den Teilnehmenden exemplarisch durch die Erarbeitung von Länderdossiers (Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Italien, Portugal und Rumänien) dargestellt und einzelne politische und wirtschaftliche Reaktionsmuster in den Bereichen Arbeitnehmerrechte und Lohnentwicklung, Arbeitslosigkeit, Fiskalpolitik und „Armutspolitik“ aufgezeigt

Arbeitsfrei statt arbeitslos

Vertreterinnen der katholischen Arbeitnehmerorganisationen aus der Schweiz, Österreich, Deutschlands und Italien (Südtirol) trafen zur Sommerakademie sich in Nals.

Nach dieser Bestandsaufnahme wurden Strategien gegen Arbeitslosigkeit und Armut in Europa vorgestellt und in vier Arbeitsgruppen zu den Themen „Arbeitszeitreduzierung, Einkommenssicherung, Selbstbestimmtere Berufsausbildungen und Jobs mit Gemeinwohl-Mehrwert sowie Postwachstums-Effekt“ diskutiert und bewertet. Fazit: Es gibt Strategien gegen Arbeitslosigkeit und Armut, die aber nicht (ausreichend) verfolgt werden, da sie der vorherrschenden Wachstumsideologie zuwider laufen. „Wachsen muss, was den Armen nutzt.“ Deutlich herausgestellt wurde dabei, dass die europäische Gesellschaft immer noch die Erwerbsarbeit in den Mittelpunkt stellt und Menschen ohne eine solche ausgegrenzt werden. Warum sagen wir nicht arbeitsfrei statt arbeitslos?

Diese Ausgrenzung von Menschen stand dann auch im Mittelpunkt des ganztägigen Landart-Projektes. „Es ist genug für alle da, es muss nur anders verteilt werden!“ zeigten die Skulpturen und Installationen in Holz, Stein und mit Stoffen auf sehr unterschiedliche aber immer sehr eindringliche Art und Weise. 

Neue Aktionsformen

Kreativ setzten sich die Seminarteilnehmerinnen mit der sozialen Situation Europas auseinander.

Mehr soziale Gerechtigkeit in Europa schaffen, ist erklärtes Ziel aller Teilnehmerinnen. So galt es abschließend, politische Aktionsmöglichkeiten über nationale Grenzen hinweg zu entwickeln und gemein-sam konkrete Handlungsfelder und Schritte zu erarbeiten, mit dem Ziel Impulse für ein für ein sozialeres Europa zu geben und die Netzwerke christlicher Sozialbewegungen in Europa weiter zu entwickeln und sie als Akteure in den Zivilgesellschaften zu stärken. Neben einer inhaltlichen Einführung in neue Aktionsformen wurden in Arbeitsgruppen konkrete Vorhaben und weiterführende Aktionsmöglichkeiten erarbeitet. Dabei reichte das Spektrum von Öffentlichkeitsarbeit über neue Aktionsformen wie "flash mob" bis hin zu nationalen und europäischen Befragungen und Petitionen. 

Erarbeitet wurde ferner eine Zeitung mit zentralen Ergebnissen der Tagung, die nach dem Druck in allen beteiligten Ländern zur Vertiefung des Themas genutzt werden kann.

Mechthild Hartmann-Schäfers (Text) / Judith Harhues (Foto)